Die Spuren des Feuers
Oberflächeneffekte im Holzbrand
Beim Holzbrand gestalten nicht nur die Hände der Keramikerin die Oberfläche, sondern auch das Feuer selbst. Flammen, Glut, Holzasche und wechselnde Ofenatmosphären hinterlassen ihre Spuren auf dem Ton. Dabei entstehen Farben, Zeichnungen, natürliche Glasuren und Strukturen, die sich nur bedingt vorherbestimmen lassen.
In der traditionellen japanischen Keramik, insbesondere in Bizen, Shigaraki und Iga, haben viele dieser Erscheinungen eigene Namen erhalten.
Hi-Iro – Feuerfarben
Rote, orangefarbene und rostbraune Töne entstehen durch die Einwirkung von Hitze und Ofenatmosphäre auf die mineralischen Bestandteile des Tons. Besonders Eisenverbindungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Farben sind Teil der keramischen Oberfläche und werden nicht aufgemalt.

Goma – Sesamflecken
Feine Holzasche lagert sich während des Brandes auf den Gefäßen ab. Bei hoher Temperatur beginnt sie mit der Tonoberfläche zu verschmelzen. Es entstehen gelbliche, goldbraune oder grünliche Flecken, die an verstreute Sesamkörner erinnern.
Tamadare – Fließende Ascheglasur
Wenn sich größere Mengen Holzasche ansammeln und schmelzen, kann die natürliche Glasur über die Oberfläche fließen. Es entstehen glänzende Läufe und tropfenförmige Verdickungen, die beim Abkühlen erstarren.

Shizen-yū – Natürliche Ascheglasur
Ohne dass zuvor eine Glasur aufgetragen wurde, verbindet sich die Holzasche bei hohen Temperaturen mit der Oberfläche des Tons. Dabei können transparente, honigfarbene, grünliche oder braune Glasuren entstehen. Ihre Erscheinung hängt von Aschemenge, Temperatur, Ton und Brennatmosphäre ab.

Hidasuki – Rote Bänder
Diese traditionelle japanische Technik nutzt Reisstroh, das vor dem Brand um die Gefäße gelegt wird. Die mineralischen Bestandteile des Strohs reagieren mit dem eisenhaltigen Ton und hinterlassen charakteristische rote bis rostbraune Streifen.
Koge – Dunkle Brandspuren
Koge bezeichnet dunkelbraune bis schwarze, häufig krustige Oberflächenbereiche. Sie entstehen besonders dort, wo intensive Ascheablagerungen, Glut und die örtliche Brennatmosphäre auf die Keramik einwirken.

Yōhen – Verwandlung im Ofen
Yōhen beschreibt die Veränderungen, die durch unterschiedliche Bedingungen während des Brandes entstehen. Flammenführung, Temperatur, Sauerstoffzufuhr und die Position im Ofen können überraschende Farbspiele und Oberflächenstrukturen hervorbringen.

Shinshoku – Erosion
Bei besonders intensiver Hitze und chemischer Einwirkung kann die Tonoberfläche angegriffen und teilweise abgetragen werden. Es entstehen raue, zerklüftete Strukturen und Vertiefungen, die bis zur teilweisen Auflösung der ursprünglichen Form reichen können.

Diese unterschiedlichen Erscheinungen machen den Holzbrand zu einem besonderen Zusammenspiel von bewusster Gestaltung und natürlichen Prozessen. Die Position der Gefäße im Ofen, die Art des Holzes und die Führung des Brandes lassen sich beeinflussen – das genaue Ergebnis bleibt jedoch immer auch eine Überraschung.
Manchmal malt das Feuer und manchmal male ich.
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